Die Margin ist die Sicherheitsleistung, die Sie beim Handel mit Hebel hinterlegen müssen. Sie ist kein Kostenpunkt, sondern ein Teil Ihres Kapitals, das als Pfand für die offene Position dient. Verstehen Sie die Margin-Mechanik, verstehen Sie auch, warum Konten bei ungünstigen Kursverläufen „geleert" werden.
Die Margin berechnen
Die erforderliche Margin hängt von Positionsgröße, Hebel und Instrument ab. Beispiel: Sie handeln EUR/USD mit einem Hebel von 30:1 (ESMA-Maximum für Majors). Für eine Position von 30.000 Euro benötigen Sie 1/30 davon als Margin – also 1.000 Euro. Ihr freies Guthaben sinkt um diesen Betrag, solange die Position offen ist.
Freie und gebundene Margin
- Gebundene Margin: Der Teil Ihres Guthabens, der für offene Positionen als Sicherheit dient.
- Freie Margin: Der Rest, der für neue Positionen verfügbar ist und Verluste abdeckt.
- Eigenkapital (Equity): Guthaben plus/minus laufende Gewinne und Verluste aller offenen Positionen.
Was ist ein Margin Call?
Ein Margin Call ist die Aufforderung des Brokers, die Sicherheitsleistung zu erhöhen. Er tritt auf, wenn das Eigenkapital unter einen bestimmten Prozentsatz der gebundenen Margin fällt. In der EU gelten für regulierte Broker strenge Regeln; der typische Ablauf ist:
- Verluste reduzieren Ihr Eigenkapital.
- Unterschreitet das Eigenkapital den Margin-Call-Level (z. B. 100 Prozent der Margin), fordert der Broker Sie auf, Geld nachzuschießen oder Positionen zu reduzieren.
- Sinkt das Eigenkapital weiter auf das Stop-Out-Level (z. B. 50 Prozent), schließt der Broker Ihre Positionen automatisch, um weitere Verluste zu verhindern.
Die Negative Balance Protection
Bei EU-Brokern mit Negative Balance Protection kann Ihr Kontostand nicht unter null fallen. Fehlt dieser Schutz – etwa bei Offshore-Brokern –, können Sie dem Broker Geld schulden, wenn der Stop Out zu spät greift (sog. negative Balance). Das ist ein zentraler Grund, nur mit regulierten EU-Gesellschaften zu handeln.
Warum Konten trotzdem „leer" werden
Der häufigste Weg zum Totalverlust: zu große Positionsgrößen. Beispiel: Sie haben 5.000 Euro und eröffnen mit 30:1 eine Position von 150.000 Euro. Eine Kursbewegung von nur 3,3 Prozent gegen Sie – bei Währungspaaren keine Seltenheit – verbraucht Ihr gesamtes Eigenkapital. Der Broker schließt die Position, Ihr Konto ist bei null. Der Hebel hat nicht „versagt"; er wurde zu hoch genutzt.
Praktische Regeln
- Rechnen Sie vor dem Trade: Wie viel Margin bindet die Position, wie viel Eigenkapital bleibt?
- Nutzen Sie Stop-Loss, um Verluste zu begrenzen, bevor der Stop Out eingreift.
- Halten Sie stets ausreichend freie Margin für ungünstige Kursverläufe.
- Testen Sie die Margin-Mechanik zuerst im Demo-Konto – dort können Sie einen Margin Call schmerzfrei erleben.
Die Margin ist keine Nebensächlichkeit, sondern die zentrale Mechanik des gehebelten Handels. Wer sie versteht, handelt kontrollierter – wer sie ignoriert, erlebt früher oder später den Stop Out.